







Turracher Höhe Winterbesucher des Hochgebirgssees Turrachersee nehmen einen unvergesslichen Anblick mit – mitten im zugefrorenen See schwimmen Menschen in heißem Wasser, und ringsum drehen Eisläufer mit tief in die Stirn gezogenen Mützen ihre Runden. Im Sommer können Sie das Schwimmen im heißen und im eiskalten Teil des Sees abwechseln, im zweiten halten es aber nur echte Abgehärtete aus.
Besuch aus Sibirien
Es ist eine Weltneuheit. Ein Teil des glasklaren Sees, durch dessen Mitte die Grenze zwischen den österreichischen Ländern Steiermark und Kärnten verläuft, wird durch eine besondere Anlage auf dreißig Grad erwärmt, sodass man das ganze Jahr über darin schwimmen kann. Der übrige Turrachersee, der auf 1763 Metern liegt, hat auch im heißen Sommer nur 12 Grad – ein vielleicht angenehmer Wert für trainierte Abgehärtete, aber nicht für gewöhnliche Sterbliche. Und so ist der beheizte Teil voller Gäste, während sich ins kalte Wasser nur jene wagen, die sich nach der Sauna abkühlen wollen. Und wenn dort ein „Abgehärteter“ einen Moment länger aushält, ruft man ihm schon vom Holzponton zu: „Woher kommst du? Aus Russland? Oder gleich aus Sibirien?“
Totale Entspannung
Die Beheizung eines Teils des Bergsees ist ein interessantes technisches Experiment. Schwimmende Pontons aus Edelstahl grenzen auf dem See eine Fläche in der Größe eines gewöhnlichen Schwimmbeckens von 25 mal zehn Metern ab. Von diesen Pontons reichen Barrieren drei Meter in die Tiefe, damit das warme Wasser, das leichter ist als das kalte, nicht in den umgebenden See entweichen kann. Nach unten ist die beheizte Fläche mit dem Seewasser verbunden, was einen regelmäßigen Wasseraustausch ermöglicht.
Während im Sommer der Unterschied zwischen warm und kalt auf den ersten Blick nicht auffällt, ist er im Winter eine unglaubliche Kuriosität – der zugefrorene See dient Langläufern und Eisläufern, doch in einem kleinen Rechteck wird geschwommen.
Das beheizte Seebad ist jedoch nur eine von vielen Besonderheiten, die das Bergresort Hochschober seinen Gästen bietet. Seine Besitzer entschieden sich nämlich schon vor dreißig Jahren, in der schönen Hochgebirgsumgebung eine Art Oase der totalen Entspannung zu schaffen. Für das hier überdurchschnittlich reiche Wellnessangebot hat sich schon vor Jahren die Bezeichnung „Hochschobern“ eingebürgert, was sich frei als gezieltes Faulenzen unter Nutzung aller modernsten Entspannungsmittel übersetzen ließe.
In die Berge diesmal barfuß
Der Turrachersee ist von einem Ring runder Kuppen der Nockberge umgeben, die entfernt an die slowakischen Roháče erinnern, sich auf etwa 2400 Meter erheben und viele romantische Touren bieten (während in der Hohen Tatra auf dieser Höhe nur noch Stein liegt, sind die hiesigen Gipfel mit „samtenem“ Gras bewachsen). An den Hängen finden Sie zudem endlose Haine seltener Zirben (eine Kieferart, die bis zu tausend Jahre alt wird), deren Zapfen außerdem zur Herstellung des einzigartigen „Hochgebirgs“-Likörs Zirbenschnaps verwendet werden. Und mit etwas Glück begegnen Sie hier und da weidenden Pferden, Murmeltieren, Salamandern oder Kreuzottern (ruhig auch auf einer einzigen Tour).
Eine der beliebten Aktivitäten ist das „Barfußgehen“, bei dem Sie nur eine Art verstärkter Neoprensocken tragen, die Ihnen absoluten Kontakt mit der Natur ermöglichen und zugleich die Füße schützen und wärmen. Barfußwandern ist aber nicht nur unterhaltsam, sondern auch gesundheitsfördernd. Es stärkt nämlich das Fußgewölbe, verbessert die Durchblutung der Füße und trägt damit zur Anregung des Kreislaufs bei. Und wie die meisten Aktivitäten im Hochschober verbindet es psychische Entspannung mit positiven gesundheitlichen Wirkungen.
Krankenhaus der Seele
Schon der erste Blick beim Betreten des Hochschober zeigt, dass man es mit der Behandlung von Stress ernst meint. Auf einem Schild ist ein durchgestrichenes Telefon zu sehen, und gleich darunter steht ein kleines Aquarium, in dem fünf ältere Handys im Wasser liegen. „Wenn Sie telefonieren, fliegt Ihr Handy in den See“, warnt die Aufschrift, damit jedem klar ist, dass hier keinesfalls gearbeitet wird. Einmal wöchentlich wird abends im ganzen Haus der Strom abgeschaltet, und das Abendessen läuft wie in alten Zeiten – nur bei Kerzenschein.
Der Hochschober ist schlicht eine Art Krankenhaus der Seele, in dem man die Batterien auflädt. Und genau darauf ist alles ausgerichtet. Im Areal erwartet Sie eine ganze Reihe aktiver Programme, von Yogastunden und Meditationen in der freien Hochgebirgsnatur über Saunieren und Teezeremonien bis zur Kombination verschiedenster Whirlpools, türkischer Hamam-Bäder (mit herrlichen beheizten Marmortischen) oder Erholung auf Wasserbetten.
Der Bergsommer auf der Turracher Höhe ist verhältnismäßig kurz. Umso länger ist hier der Winter, in dem den Gästen ein Netz aus Pisten und Loipen dient (im Wintergebiet sind 14 Bahnen und Lifte in Betrieb). Der Schnee hält sich hier unglaublich lange – von Anfang November bis Anfang Mai –, also 160 Tage im Jahr. Ob Sie nun im Sommer oder im Winter kommen: am Hochschobern werden Sie sich ohnehin nie sattsehen.
