Klettersteige für Kinder und Anfänger

Die meisten österreichischen Bergregionen bieten Klettersteige, die für Kinder geeignet sind. In Führern sind sie als „Kinderfreundlich“ gekennzeichnet. Sie müssen sich aber nicht auf so gekennzeichnete Routen beschränken. Wie ich im vorherigen Beitrag geschrieben habe, gibt es Klettersteige mit mehreren Varianten. Das heißt, einen „C“-Klettersteig können Sie auch nur über die Abschnitte A und B begehen, C lässt sich ganz auslassen und umgehen.


Wählen Sie für Kinder deshalb Klettersteige mit kurzem Zustieg, bei dem sich die Kleinen nicht verausgaben und nicht schimpfen: „Was ist denn das wieder für ein Urlaub?! In die Berge will ich nie wieder! Da bleibe ich lieber bei Oma!“ Mit einem 2-stündigen Marsch, selbst in der attraktiven Umgebung der österreichischen Alpen, machen Sie Kindern keine Freude, wohl aber mit einem Kletterabenteuer am Fels. Bei langen Touren helfen auch versprochene Eisbecher und nachmittägliches Baden nicht mehr. Es häufen sich Fragen wie: „Sind wir schon da?!“


Dachstein

Im Gebiet des Dachsteins eignen sich für Kinder die Klettersteige Kali, Kala und Stoderzinken. Die ersten beiden liegen nebeneinander und haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt – den Parkplatz bei der Mühle Alte Bauermühle (Straße Nr. 725, etwa 3,5 km östlich des Ortes Ramsau am Dachstein). Beide lassen sich in einem halben Tag bewältigen (so kommt nicht einmal WLAN-Entzug auf). Sie sind mit der Schwierigkeit B eingestuft. Ein Stück hinter dem Gipfel liegt die Sattelberghütte, wo Sie Kräfte sammeln und Energie tanken können. Von ihrer Terrasse blicken Sie auf die Hänge des Skigebiets Schladming.


Zum Einklettern empfehle ich den Kali Kinder Klettersteig, er hat einen kürzeren Zustieg und eine Kletterlänge von 220 m. Um erste Fertigkeiten zu erwerben und die Klettersteigtechnik kennenzulernen, ist er ideal.

Der Kala Kinder Klettersteig mit etwas längerem Zustieg und einer Länge von 260 m ist luftiger und bietet dadurch fantastische Ausblicke auf das Dachsteinmassiv. Beim Blick auf die Autos, die auf der Straße unter Ihnen fahren, sehen Sie, wie schnell und wie hoch Sie auf dem gesicherten Steig gekommen sind.


Weiter östlich oberhalb des Ortes Gröbming wurden die Klettersteige Stoderzinken Klettersteig und Franz Klettersteig angelegt, die unter den Gipfel des Stoderzinken führen. Zum Ausgangspunkt, dem Gebiet Stoder, gelangen Sie über eine mautpflichtige Hochgebirgsstraße, an deren Ende es genügend Parkplätze gibt (wenn Sie in einem der Restaurants am Stoder einkehren, lassen Sie sich das Ticket der Mautstelle abstempeln, dann erhalten Sie eine Ermäßigung auf die Maut). Beide Klettersteige haben einen gemeinsamen, relativ kurzen Zustieg (30 Minuten) und beginnen bei der hölzernen Kapelle Friedenskirscherl. Der Klettersteig Stoderzinken ist in fünf Varianten aufgeteilt: Floresteig (A), Emil (B/C), Karl (D), Julius (E), David (A/B). In die schwierigeren Abschnitte teilt er sich erst am Ende, wo am Fels mehrere kurze, unterschiedlich schwierige Routen angelegt sind (diesen Abschnitt kann man ganz umgehen). Die letzte Passage ist eine Hängebrücke. Sie führt nicht allzu hoch über dem Gelände und ist ideal, um das Gehen auf einer Seilbrücke zu üben. 


Der Franz (B/C) beginnt bei der Kapelle mit zwei „A“-Abschnitten, danach trennt er sich vom Klettersteig Stoderzinken. Es folgt ein gut gesicherter 60-minütiger Aufstieg, der auf 1950 m ü. d. M. endet. 

Vom Ende des Klettersteigs gehen Sie auf dem Wanderweg weiter, der Sie in 20 Minuten auf den Gipfel des Stoderzinken (2048 m ü. d. M.) führt. Zurück zur Siedlung Stoder gelangen Sie über die rote Markierung (eine andere gibt es in Österreich nicht) in knapp einer Stunde.


Während des ganzen Aufstiegs können Sie Wagemutige auf einer luftigen, langen Zipline beobachten, die ein Stück unterhalb des Klettersteigs beginnt und beim Seilpark (Abenteuerpark Gröbming) am Anfang der Mautstraße endet. Sie ist 2,5 km lang und überwindet 600 Höhenmeter. Vielleicht inspiriert Sie das zu einer weiteren Aktivität, falls Ihnen nach dem Klettersteig noch etwas Endorphin übrig geblieben ist.


Kärnten

Im Drautal, ein Stück hinter dem Ort Oberdrauburg bei der Siedlung Unterpirkach, fließt der Pirknerbach. (… so könnte ein Märchen aus den österreichischen Alpen beginnen …) Durch seine Klamm führt der relativ kurze, aber interessante Klettersteig Pirkach Klamm der Schwierigkeit C. Zwar fehlt ihm die Einstufung „Kinderfreundlich“, aber ältere und geübtere Kinder sollten ihn ohne größere Schwierigkeiten schaffen. 


Der Zustieg ist sehr kurz (15 Min.), leicht und flach. Der Aufstieg sollte nicht länger als eine Stunde dauern. Er beginnt bei alten Mühlen, und der gesamte, sehr gut gesicherte Klettersteig führt durch die Klamm mit dem Bach, entlang von Wasserfällen, über Gumpen und über mehrere kürzere Seilbrücken. Etwa nach zwei Dritteln ist der Klettersteig unterbrochen, und man muss auf die andere Seite des Bachs waten, wo die letzten vier Abschnitte auf Sie warten. Vor dem letzten Abschnitt, der entlang eines Damms führt, können Sie die Ausrüstung ablegen und im erfrischend kühlen Bach baden. Der gut markierte Abstieg bringt Sie zurück zum Einstieg und dauert etwa 20 Minuten.


In den gottverlassenen, wenig besuchten Winkeln der Gailtaler Alpen, hoch über dem Gailtal, wurde der sehr attraktive Millnatzenklamm-Klettersteig angelegt. Vom kostenpflichtigen Parkplatz (ca. 5 Euro, automatische Schranke am Forstweg) dauert der Zustieg zum Klettersteig selbst 15 Minuten.


Er ist in sechs Sektionen unterteilt und als B/C eingestuft, mit einem optionalen Abschnitt C/D. Er führt vollständig durch das Bett des Pallaser Bach. Auch hier genießen Sie mehrere Seilbrücken und Aufstiege entlang eines Wasserfalls. Ein Leckerbissen für Mutigere kann eine Rast auf einer Bank sein, die an der Wand neben dem Wasserfall hängt. Wenn Ihnen die Angst nicht den Blick vernebelt, können Sie die Aussicht nach Süden auf den italienischen Teil der Dolomiten genießen. Diesen Klettersteig mit einer Kletterdauer von rund anderthalb Stunden sollten auch ältere, geübtere Kinder schaffen (B/C-Abschnitte gibt es nur zwei). Am Ende des Klettersteigs erfrischen Sie sich an heißen Tagen im Bach, gegen dessen Strömung Sie die ganze Zeit geklettert sind. Vom Bach führt der Abstieg zunächst bergauf, bis Sie auf einen befestigten Forstweg stoßen, der Sie in etwa 35 Minuten zurück zum Parkplatz bringt. Dort gibt es einen Kinderspielplatz, auf dem überschüssige Energie verbraucht werden kann. 


Dieser Klettersteig gehört zu meinen Top 5. Das Erlebnis wird durch heißes Sommerwetter sicher noch gesteigert, wenn der wilde Gebirgsbach herrlich erfrischt.


Zillertal

Oberhalb des Dorfes Gerlos, östlich der Stadt Zell am Ziller, liegt der als „Kinderfreundlich“ eingestufte Klettersteig Riederklamm. Mit der Schwierigkeit B/C (fakultativ C/D), kurzem Zu- und Abstieg und einer Kletterdauer von etwa einer Stunde ist er ideal für einen halbtägigen Kletterausflug. Der Klettersteig ist in 3 Teile gegliedert: Riederklamm, Wasserfall, Weissewand. Die letzten beiden sind nur kurze Routen mit vier Abschnitten, die über den Fels oberhalb der Brücke am Anfang des Klettersteigs führen.


Der Klettersteig beginnt mit einem Abstieg auf eine am Fels hängende Eisenbrücke und setzt sich mit „A“- und „B“-Abschnitten fort. Der gut gesicherte Steig hält keine Überraschungen bereit, und es gibt zwei Seilbrücken. Der leichte Abstieg sollte nicht mehr als 15 Minuten dauern.

Den Rest des Tages widmen Sie einer Autotour über die Gerlos Alpenstrasse, die Sie bis zu den nahen Krimmler Wasserfällen führt.


Durch das Bett des Talbach, der unterhalb der Stadt Zell am Ziller in den Ziller mündet, führt ein weiterer Klettersteig: Klettersteige Talbach. Auch wenn die angegebene Schwierigkeit D/E ist, sind die meisten Abschnitte B/C, und schwierigeren Passagen kann man ausweichen. Da der gesamte Steig in 4 Abschnitte geteilt ist, können Sie die Passagen mit den Schwierigkeiten wählen, die Ihnen liegen, oder schwierigere Abschnitte trainieren, auch wiederholt. Auf beiden Seiten des Bachs verbinden Fußwege die einzelnen Partien.


Direkt am Parkplatz beginnt er mit einer Seilbrücke (kann über eine feste Brücke umgangen werden) und setzt sich mit leichten Passagen knapp über dem Boden fort. Der zweite Abschnitt ist schon spannender und nicht für absolute Anfänger gedacht. Sie können ihn umgehen und erst beim Kraftwerk wieder in den Klettersteig einsteigen, wo über dem Wasserfall die zweite Seilbrücke führt.


Ein echtes Klettersteigparadies finden Sie ein Stück südlich in der Stadt Mayrhofen. Der dortige Klettersteigpark bietet insgesamt fünf gesicherte Routen mit Schwierigkeiten von B bis E. Die Zustiege zu den einzelnen Abschnitten dauern 10 - 45 Minuten und die Abstiege 25 Minuten bis 1 Stunde. Am Ende der Aufstiege können Sie im Gasthof Zimmereben einkehren. 


Hohe Wand

Eine Fahrstunde südlich von Wien liegt das felsige Kalkplateau Hohe Wand. Es ist ein idealer Ort für Klettersteig-Einsteiger, an dem Sie viele Routen von Schwierigkeit A bis E finden. Es gibt genügend Parkplätze und Einkehrmöglichkeiten. Den Blick auf die umliegende Landschaft genießen Sie vom kleinen Skywalk, der über die Ostwände der Hohen Wand ragt. Dort endet auch der beliebte Klettersteig HTL Steig mit der Schwierigkeit E, der für Anfänger definitiv nicht geeignet ist.


Einige gesicherte Routen liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt und lassen sich so zu einer gemeinsamen Tour verbinden. Zum Beispiel  Leiterlsteig (A) mit Hanselsteig (B) oder Vollerin (A) mit Frauenluckensteig (B). 


Auf den Tafelberg im Naturpark Hohe Wand führt eine Mautstraße. Die Maut wird nicht rund um die Uhr erhoben, und man kann sie vermeiden, wenn man am frühen Morgen oder am späten Nachmittag anreist. 


Hoffentlich hat Sie diese bescheidene Aufzählung einfacher Klettersteige wenigstens ein wenig motiviert, eine weitere Form der aktiven Erholung kennenzulernen. Wenn Sie beim Lesen ein angenehmes Kribbeln im Kopf gespürt haben, dann war das der sogenannte „Klettersteigrausch“, und Sie sind auf dem besten Weg, Ihren ersten Klettersteig zu bezwingen. Danach verwandeln sich Ihre Sehnen in Seile, Ihre Muskeln in Stein und Ihre Hände in Stahlhaken, die nicht so leicht loslassen, was sie einmal gepackt haben.







 

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