







Ein kleines großes Juwel in Österreich, das tschechischen Gästen noch immer entgeht
Das eher unauffällige Skigebiet Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau liegt abseits des Blickfelds tschechischer Gäste. Es verbindet die jahrhundertealte Tradition eines kleinen österreichischen Dorfes mit dem perfekten Service großer Gebiete und hundert Kilometern präparierter Pisten.
Manchem mag es scheinen, er sei in einer völlig vergessenen Gegend gelandet, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ein anderer schätzt die ruhigere Atmosphäre, in der sich auf den Pisten keine Horden von Schul- und Rennmannschaften und keine Wochenendgäste drängen. Auch die Einheimischen sagen, ihr Alpbach stehe mit einem Bein im „dörflichen“ Skiort und mit dem anderen im Megagebiet. Ski Juwel – das Skijuwel – hat noch immer die Vorzüge eines kleineren Ortes, ist aber schon ein wenig groß geworden. Und tschechische Skifahrer, die in Nachbarschaft der beiden riesigen Skikomplexe SkiWelt Wilder Kaiser und Kitzbühel die verbundenen, gerade kleineren Gebiete Alpbachtal und Wildschönau für sich entdeckt haben, klagen: „Schreibt bloß nichts über Alpbach, damit hier niemand herkommt.“ Verzeihung, aber dieser Ort verdient ein wenig Aufmerksamkeit.
In etwa fünf Stunden, Pausen eingerechnet, erreicht man mit dem Auto von Prag über München jenen Teil Tirols, in dem vermutlich die strengsten Bauvorschriften ganz Österreichs gelten. Alpbach ist ein alpines Bergdorf wie aus einem kitschigen Katalog, mit allem, was dazugehört. Doch gerade wegen des einheitlichen, geschlossenen Stils der Holzhäuser gilt es als architektonisches Kleinod auf rund tausend Metern Seehöhe. Statt moderner Betonklötze werden Häuser, Hotels und Pensionen im immer gleichen Stil gebaut wie vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten. „Die meisten Beherbergungsbetriebe halten den Stil auch im Inneren durch. Wellness, Saunen und Pools finden Sie dort natürlich, aber die Möbel sind oft ebenfalls Originale, von jemandem aus dem Tal und aus heimischem Holz gefertigt“, beschreibt Michael Mairhofer von der Tourismuszentrale der Region Alpbachtal die Pflege der Traditionen.
Selbst innerhalb Österreichs ist das ein einzigartiger Zugang, und nicht umsonst wurde die Gemeinde Alpbach bereits 1983 zum schönsten Dorf Österreichs gekürt. Tradition und das Erbe der Vorfahren sind hier auf Schritt und Tritt zu sehen; viele Familien führen ihre Höfe und Familienbetriebe seit etwa zweihundert Jahren. Sein Gepräge verdankt das Tal mit den umliegenden, rund zweitausend Meter hohen Bergen den spät gebauten Straßen.
„Bis 1926 war das Dorf vor allen negativen Begleiterscheinungen des Fortschritts geschützt“, ergänzt Mairhofer. Gerade die strenge Bauordnung sorge auch für die ruhigere Atmosphäre des Ortes: Neue Hotels entstehen hier kaum, und die vorhandene Kapazität lässt eine völlige Überlastung des Skikomplexes nicht zu. Der Zauber des Ski Juwel und Alpbachs selbst ist zudem recht gut bezahlt, die Preise gehören eher zu den höheren. Das Ortszentrum drängt sich rund um die Kirche mit dem Friedhof, eigentlich gegenüber den Hauptpisten. Einem Transfer mit dem Skibus entgehen Skifahrer also nicht ganz. Die kostenlose Fahrt dauert allerdings nur etwa fünf Minuten.
Dank der Verbindung der ursprünglich eigenständigen Gebiete Alpbachtal und Wildschönau über den Gipfel Schatzberg bietet die ganze Region 114 Kilometer Pisten unterschiedlicher Schwierigkeit. Auf der Karte leuchtet das Gebiet überwiegend rot, wobei Alpbach etwas schnellere Hänge hat als das blauere Wildschönau. Dort kommen weniger geübte Skifahrer und vor allem Familien mit Kindern auf ihre Rechnung. Für die Kleinsten gibt es eine Märchenwiese mit Zauberteppich, den Schatzberg Zwergenwald mit Förderband und einen Kinderclub mit eigenem
Lift.
Neben den Kleinsten ist aber auch für etwas Größere gesorgt: Das Kinderskigebiet Inneralpbach mit einer hundert Meter langen Piste ist für Anfänger ideal. Fortgeschrittene und Ausdauernde können ihre Kondition auf der sieben Kilometer langen Abfahrt vom Gipfel des Schatzbergs hinunter ins Tal des Dorfes Auffach testen. Freestyler haben zwei Snowparks zur Verfügung – den Snowpark Alpbachtal am Wiedersberger Horn und den Snowpark Schatzberg in der Wildschönau. Wen die Skier ermüden, der kann sich Rodeln ausleihen und die fünf Kilometer lange Bahn von der Mittelstation des Schatzbergs bis nach Auffach ausprobieren.
Auf den Hängen hört man viel Englisch. Die Flugverbindung von Großbritannien nach Innsbruck hat den Ruf des Gebiets bis über den Ärmelkanal getragen. Für die Engländer ist es ein sehr beliebtes Ziel: Schon nach dem Krieg sollen hier Soldaten einen Skiklub gegründet haben, und auch die Kirche des heiligen Oswald soll britische Wurzeln haben. Auch das ist ein Vorteil dieses Tiroler Komplexes, wie der Berg- und Skiführer Manuel Haaser bestätigt: „Hier bleiben die Gäste eher länger. Es ist nicht so leicht erreichbar wie andere Gebiete, deshalb wechseln sich hier keine Deutschen zum Tagesskifahren ab, bei denen man sich vor allem am Wochenende auf den Pisten nicht rühren könnte.“
Wem das Skifahren den ganzen Tag über nicht verleidet, der kann im Flutlicht Nachtabfahrten oberhalb der Gemeinde Reith im Alpbachtal genießen. Gefahren wird am Donnerstag und Freitag von 18:30 bis 21:15 Uhr. Einem deutschen Skiportal, das dies zum besten Nachtskilauf Österreichs erklärt hat, ist ohne Diskussion zuzustimmen. Für viele ist es der beste Teil des Skitages.
Perfekt präparierte breite Pisten, auf denen der Cord unter den Skiern knistert, und das fast ohne Menschen: Auf sechs Kilometern Abfahrt versetzt das begeisterte Skifahrer geradezu in Euphorie. Bei der letzten Abfahrt gehört ein Halt im Restaurant Almstüberl Gschwendt dazu, für ein vielleicht eher für die Schweizer Küche typisches, dennoch ausgezeichnetes Käsefondue von den Höfen der Umgebung. Auch der Ski- und Bergführer Manuel gibt zu, dass er nur im Winter als Instruktor lebt. Im Sommer bewirtschaftet er wie seine Vorfahren über Generationen die nahen Berge, und das Fleisch seiner Tiere beziehen Restaurants im ganzen Tal.
Alpbachtal im Winter: 114 km Pisten und Nachtskilauf an zwei Orten
Das Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau verbindet vier Berge: Wiedersberger Horn und Reither Kogel auf der Alpbacher Seite, Schatzberg und Markbachjoch in der Wildschönau.
Der Betreiber nennt 114 km Pisten – 31 km leichte, 54 km mittlere und 13 km schwere, dazu 16 km Skirouten. Erschlossen werden sie von 45 Anlagen: 9 Kabinenbahnen, 7 Sesselbahnen, 26 Lifte und 3 Förderbänder.
85 % der Pisten werden technisch beschneit, den Schnee erzeugen 410 Schneekanonen.
Nachtskilauf gibt es an zwei Orten. Am Reither Kogel oberhalb von Reith im Alpbachtal wird am Donnerstag und Freitag von 18:30 bis 21:15 Uhr gefahren, am Roggenboden in der Wildschönau am Mittwoch und Donnerstag von 19:30 bis 21:00 Uhr.
Rodelbahnen gibt es fünf, davon vier für den Tag: Lanerköpfl 6,5 km, Panoramaweg in Reith im Alpbachtal 6,5 km und Schatzberg 5 km; am Abend ist die 2 km lange Bahn am Roggenboden beleuchtet.
Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau in Zahlen (Winter 2026/27):
- 114 km Pisten: 31 km leichte, 54 km mittlere, 13 km schwere und 16 km Skirouten
- 45 Anlagen: 9 Kabinenbahnen, 7 Sesselbahnen, 26 Lifte, 3 Förderbänder
- 85 % der Pisten werden technisch beschneit, den Schnee erzeugen 410 Schneekanonen
- Vier Berge: Wiedersberger Horn, Reither Kogel, Schatzberg und Markbachjoch
- Zwei Snowparks – Snowpark Alpbachtal und Snowpark Schatzberg
- Alpbach gehört zur Region Alpbachtal Seenland, die aus 10 Dörfern besteht
Zahlen laut Betreiber skijuwel.com, geprüft am 21. 8. 2026.
Alpbachtal im Sommer: 500 km markierte Wege und drei Gebirge
Die Regionalzentrale nennt 500 km Wanderwege. Das Tal trägt das österreichische Gütesiegel für Wandern und ist von drei Gebirgen umgeben: Kitzbüheler Alpen, Rofan und Brandenberger Alpen.
Im Sommer sind 6 Bahnen in Betrieb, darunter die Wiedersbergerhornbahn in Alpbach und die Reitherkogelbahn in Reith im Alpbachtal. Die Region umfasst 10 Dörfer, nach Innsbruck sind es 40 km und nach Kufstein 30 km.
Auf der Brandenberger Ache werden Rafting, Kajak und Tubing gefahren, durch die Tiefenbachklamm führt ein Steig. Am Reintalersee gibt es einen Klettersteig.
Unterkunft in der Region
Zur Auswahl stehen Hotels, Gasthöfe, Ferienwohnungen und Ferienhäuser, Bauernhöfe, Pensionen, Privatzimmer und Herbergen. An den Seen und mit Blick auf die Berge stehen Campingplätze.
Die Alpbachtal Card erhalten Sie zur Unterkunft gratis – sie wird bei der Anreise automatisch ausgestellt, schon ab einer Nacht. Sie umfasst den öffentlichen Verkehr in der Region, ausgewählte Sommerbahnen und Eintritte in Bäder, zu den Seen und in Museen.
Typische Küche der Region
Das bekannteste Produkt des Tals ist der ausgezeichnete Heumilchkäse (Alpbachtaler Heumilchkäse) aus Rohmilch von örtlichen Bauern.
Probieren Sie auch die Tiroler Prügeltorte, über offenem Feuer gebacken, und das Bier der Kristallbrauerei Alpbach. Auf den Höfen werden Speck, Wurstwaren, Bauernbrot, Honig, Obst- und Kräuterbrände, Eier und Marmeladen verkauft.
Autorin: Hana Filipová
Quelle: E15
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